Versäumnisse am Abscheider sind kein Kavaliersdelikt –Interview mit Sascha Drexel von der FÖRCH GmbH & Co. KG
27.04.2026
Autohäuser, Waschanlagen und Werkstätten verwenden eine Reihe chemischer Mittel. Die Produktpalette reicht von Bremsenreinigern und Cockpitsprays bis zur Waschchemie. Während Anwendung und Lagerung oft in routinierten Bahnen laufen, steht ein anderes Thema nicht selten hinten an: der Ölabscheider. Für diese meist unsichtbaren Anlagen gelten strenge gesetzliche Vorgaben, die ein Experte im Blick behalten muss. Das können auch Handelsunternehmen wie die FÖRCH GmbH & Co. KG. Diese sorgt gemeinsam mit REMONDIS AS-CONTROL dafür, dass Betriebe gesetzeskonform aufgestellt sind. Sascha Drexel aus dem FÖRCH-Produktsupport berichtet über die Zusammenarbeit.
Lieber Herr Drexel, FÖRCH ist als internationales Handelsunternehmen ein Partner für Handwerk und Industrie. Können Sie eingangs kurz skizzieren, welche Produkte Sie für welche Kundengruppen anbieten und wo Ihre Schwerpunkte liegen?
Wir beliefern Handwerks- und Industriebetriebe in Deutschland und international mit einem sehr breiten Sortiment an Werkzeugen, Befestigungstechnik und chemischen Produkten. Insgesamt listen wir mehr als 120.000 Artikel für Werkstatt, Montage und Bau. Ein großer Schwerpunkt liegt im Kfz-Bereich: Etwa zwei Drittel unserer Produkte kommen dort zum Einsatz. Dazu gehören Reiniger, Produkte für Waschanlagen, Pflegeprodukte, Duftstoffe, Schmier- und Lösemittel, Rostlöser sowie Farben, Lacke und Stoffe zum Kleben und Abdichten. Alles kann über unsere Außendienstmitarbeiter, Verkaufsniederlassungen oder online bezogen werden.
Ergänzend bieten wir produktnahe Serviceleistungen an. Das reicht vom Gefahrstoffmanagement über Sicherheitsunterweisungen bis hin zur Entsorgung von Verpackungen, Elektrogeräten, Altbatterien, PU-Schaumdosen oder Ölgebinden. Auch der Abscheiderservice gehört mit dazu.
FÖRCH ist seit über 60 Jahren am Markt. Etwa 300.000 Kunden nutzen die Produkte und Leistungen. Auch über Deutschland hinaus: Mit über 50 Ländervertretungen und 24 eigenen Ländergesellschaften ist FÖRCH global aufgestellt. Was war ausschlaggebend für diese Entwicklung?
Ganz klar, unser Team und seine Fach- und Servicekompetenz. Bei FÖRCH arbeiten über 3.500 Mitarbeitende, davon rund 2.000 im Außendienst. Viele Kolleginnen und Kollegen sind täglich bei Kunden vor Ort, beraten zu unseren Produkten und allen Themen, die dazugehören: Wie wende ich ein Produkt richtig an? Wie entsorge ich Verpackungen oder chemische Stoffe korrekt? Was muss ich bei der Lagerung beachten? Oder: Wie gehe ich mit Werkzeugen um, wie lade ich akkubetriebene Geräte korrekt? Auch zur Überwachung und Wartung, etwa beim Ölabscheider, kommen Fragen auf.
Die richtigen Produkte einzusetzen, ist das eine. Aber genauso wichtig sind die dazugehörigen Services wie Lagerung, Unterweisung oder Entsorgung. An dieser Stelle unterstützen wir mit Fachwissen, ergänzen die Produktberatung vor Ort und sorgen dafür, dass unsere Kunden alle gesetzlichen Anforderungen erfüllen.
Sie sind bei FÖRCH Technical Product Support, Application Engineer, Sicherheitsbeauftragter und Ansprechpartner für Gefahrgut. Welche Aufgaben sind damit verbunden?
Ich sitze im Headquarter von FÖRCH in Neuenstadt am Kocher in der Nähe von Heilbronn. Dort ist unser technischer Produktsupport angesiedelt. Im Team arbeiten neun Kolleginnen und Kollegen mit ganz unterschiedlichen fachlichen Hintergründen, vom Kfz-Meister über Techniker bis hin zu handwerklichen Berufen wie dem Zimmermann.
Mein fachlicher Schwerpunkt liegt im Bereich Gefahrstoffe und Gefahrgut. Das Thema hat mich schon früh interessiert, unter anderem durch meine Zeit bei der Freiwilligen Feuerwehr. Mir ist es persönlich wichtig, dass Abfälle, auch gefährliche, fachgerecht entsorgt werden und vor allem nicht durch Unwissenheit in den Boden oder ins Wasser gelangen. Deshalb habe ich mich in diesem Bereich intensiv weitergebildet, viele Schulungen besucht und tausche mich regelmäßig mit Fachleuten aus.
Ich berate unsere Kunden bei konkreten Fragestellungen aus der Praxis. Häufig geht es um richtige Entsorgungswege, gerade bei Produkten, die Gefahrstoffe in relevanten Konzentrationen enthalten und demzufolge als Sonderabfall gelagert entsorgt werden müssen.
Ein weiterer Teil meiner Arbeit ist die Schulung unserer Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen. Wir haben hier in der Firmenzentrale eine Ausbildungshalle mit der gesamten Produkt- und Werkstattausstattung, mit Hebebühne, Gefahrstoffschränken usw. Hier vermitteln wir praxisnah sämtliches Wissen an unsere Mitarbeitenden. Themen wie Waschanlagen-Chemie und Ölabscheider spielen dabei immer eine wichtige Rolle.
Warum sind der Betrieb und die Wartung von Ölabscheidern ein so großes Thema?
Wer sein Auto in die Werkstatt bringt, bekommt es in aller Regel gewaschen zurück. Viele unserer Kunden aus dem Automobilbereich betreiben daher eigene Waschanlagen mit den dazugehörigen Reinigungsmitteln. Sobald ein Kunde Reinigungs- oder Waschmittel verwendet, kommt er am Ölabscheider nicht vorbei – das ist gesetzlich vorgeschrieben.
Wir begleiten die Kunden durch den gesamten Umweltkreislauf: von der Produktauswahl über die Anwendung, Lagerung bis hin zur fachgerechten Entsorgung und zum Umgang mit dem Abscheider. Wenn Fragen auftauchen, stehen wir zur Verfügung. Zusammen mit unserem Partner REMONDIS AS-CONTROL übernehmen wir die komplette Abwicklung. Der Kunde muss sich um nichts kümmern.
FÖRCH und REMONDIS AS-CONTROL arbeiten bereits seit über 10 Jahren im Abscheiderservice zusammen. Wie kam es zur Zusammenarbeit?
Wir sind deutschlandweit aktiv, genau wie REMONDIS AS-CONTROL. Diese flächendeckende Präsenz war uns von Anfang an wichtig. Ebenso wie eine zentrale Anlaufstelle, die uns bei allen Anliegen zuverlässig und unkompliziert weiterhilft. Mit drei festen Ansprechpartnern am Standort Herne haben wir genau das in REMONDIS AS-CONTROL gefunden. Wir können uns jederzeit melden, Fragen stellen und darauf verlassen, dass alles funktioniert und fachlich korrekt ist. Trotz der Größe von REMONDIS läuft alles genauso menschlich, vertrauensvoll und familiär wie bei uns im Unternehmen. FÖRCH ist ja auch ein Familienunternehmen.
Die Zusammenarbeit umfasst vor allem den Bereich Ölabscheider, aber wir nutzen auch das gesamte Leistungsspektrum von ganz REMONDIS. Dazu gehört die Entsorgung an unseren Verkaufsstandorten bzw. Märkten. Hier fallen unter anderem Kartonage, Folie und Restmüll, aber auch Motoröl, Getriebeöl und weiterer Sonderabfall an. Auch von unseren Kunden können wir – dank des REMONDIS-Netzwerks – neben den Ölabscheiderinhalten weitere Abfälle zur Entsorgung übernehmen, beispielsweise Reiniger aus Teilewaschgeräten.
An einem Ölabscheider können mehrere Anlagen angeschlossen sein, zum Beispiel Waschplatz, Tankstelle und Ausstellungsfläche. Wird der Abscheider nicht regelmäßig kontrolliert und gewartet, können Undichtigkeiten und andere Störungen mehrere Bereiche betreffen.
Welche Ihrer Kunden nutzen Ölabscheider?
Vor allem Autohäuser, Kfz-Werkstätten, Nutzfahrzeug- und Buswerkstätten sowie Automobilhersteller- und zulieferer. Auch Betriebe mit eigenen Fahrzeugflotten, sei es aus dem Bau, der Industrie oder Landwirtschaft, brauchen Ölabscheider. Nicht zuletzt städtische Verkehrsbetriebe, wenn sie ihre Fahrzeuge reinigen. Hintergrund ist: An Fahrzeugen haften Fette und Öle, chemische Produkte, Benzin oder AdBlue. Damit diese Stoffe nicht ins Grundwasser gelangen, müssen sie vorher einen Ölabscheider durchlaufen.
Erhalten Sie häufig Fragen zu Abscheidern? Wenn ja, zu welche sind das?
Ja, wir bekommen immer wieder Fragen. Manche Kunden sind sich gar nicht bewusst, dass sie einen Abscheider haben, andere haben das Thema im Tagesgeschäft etwas aus den Augen verloren. Diese Lücke füllen wir seit vielen Jahren zusammen mit REMONDIS AS-CONTROL. Meine Kolleginnen und Kollegen sprechen die Betriebe gezielt an und beraten sie. Denn: Versäumnisse beim Abscheider sind kein Kavaliersdelikt. Ein fehlerhafter Umgang kann sowohl ordnungswidrigkeiten- als auch strafrechtlich relevant sein.
Haben Sie ein oder zwei konkrete Beispiele, in denen Sie von einem Kunden gefragt wurden und helfen konnten?
Ein Beispiel, das exemplarisch für viele unserer Kunden steht, sind Autohäuser, die von der jeweils zuständigen Umweltbehörde und Berufsgenossenschaft überprüft wurden. Da wird geschaut, ob die teils regional unterschiedlichen Sicherheits- und Umweltvorgaben eingehalten worden sind. In einem Fall wurden einige Punkte beanstandet, der Betrieb erhielt einen Maßnahmenkatalog. Der Kunde rief uns daraufhin an, ob wir bei der Umsetzung helfen können. Wir haben uns den Katalog angesehen und waren auch im Autohaus vor Ort, um alles genau zu prüfen. Denn die Umgebung, beispielsweise wenn der Betrieb an einem Wasserschutzgebiet liegt, kann ausschlaggebend für bestimmte Vorgehensweisen sein. Zusammen mit unserem Vertrieb sind wir dann den kompletten Betrieb durchgegangen, auch Waschanlage und Ölabscheider, und haben eine Lösung erarbeitet, die alle Anforderungen abdeckt.
Ein anderes Beispiel betraf einen Ölabscheider auf der Ausstellungsfläche eines Autohändlers. Daran angeschlossen waren eine Werkstatt, eine Waschanlage und eine Tankstelle, wie wir vor Ort festgestellt haben. Nach einer ersten Prüfung war schnell klar, dass der Ölabscheider gewartet werden musste. Das hat REMONDIS AS-CONTROL für uns übernommen. Anschließend wurde ein regelmäßiger Kontrollrhythmus eingeführt. Wenn eine Leerung und Reinigung nötig ist, können wir das der Dokumentation entnehmen, das Autohaus ansprechen und gemeinsam mit REMONDIS ASCONTROL alles Nötige in die Wege leiten. Genauso verfahren wir bei der 5-jährigen Generalinspektion oder wenn größere Reparaturen oder Instandsetzungen erforderlich sind.
Warum gewinnt das Thema Abscheider zunehmend an Bedeutung?
Die behördlichen Kontrollen von Werkstätten, Waschstraßen und Betrieben mit Fahrzeugflotten werden seit Jahren spürbar strenger. Nicht nur bei uns in Baden-Württemberg, auch in anderen Bundesländern. Besonders im Fokus stehen Betriebe in der Nähe von Gewässern oder Naturschutzgebieten sowie Regionen, die in der Vergangenheit von Hochwasser betroffen waren.
Die Behörden, Berufsgenossenschaften und Gewerbeaufsichten prüfen die Einhaltung von Umwelt- und Gewässerschutzauflagen nicht mehr nur punktuell, sondern mit System und regelmäßig. Es wird gezielt kontrolliert, ob einmal angewiesene Maßnahmen auch korrekt umgesetzt wurden. Das hören wir immer wieder. Durch die enge Zusammenarbeit mit REMONDIS AS-CONTROL können wir unseren Kunden das Versprechen geben, dass alle Vorgaben eingehalten sind.
Vielen Dank für das Gespräch!